65% schnellere Datenverarbeitung, null manueller Aufwand

Wie Media-Saturn manuelle Prozesse eliminierte und eine zukunftsfähige Systemarchitektur aufbaute

6 Min. Lesezeit

Auf einen Blick

BrancheRetail / E-Commerce
Unternehmensgröße~40.000
RegionIngolstadt, Deutschland
Projektdauer3 Monate
Die Challenge

Manuelle Prozesse, technische Schulden und fehlende Dokumentation im gewachsenen Shopsystem.

Unser Lösungsansatz

Neue Microservices-Architektur, vollständige Prozessautomatisierung und Systemdokumentation nach dem 4+1 Sichtenmodell.

Das Ergebnis

65% schnellere Bearbeitungszeit, null manuelle Eingriffe in der Datenverarbeitung, erstmals vollständige Architekturdokumentation.

Ausgangssituation

Die Media-Saturn-Holding GmbH betreibt mit über 1.000 Märkten und rund 40.000 Mitarbeitenden eines der größten Shopsysteme im europäischen Elektronikhandel. Das System war über Jahre organisch gewachsen: Neue Funktionen wurden auf bestehende Strukturen aufgesetzt, ohne die Gesamtarchitektur anzupassen.

Im E-Commerce-Markt stiegen die Kundenerwartungen an Echtzeit-Verfügbarkeit und schnelle Lieferung. Die technische Basis wurde zum strategischen Engpass. Media-Saturn suchte einen unabhängigen Partner, der die Situation objektiv bewerten und eine tragfähige Lösung entwickeln konnte, ohne Bindung an bestehende Technologieanbieter.

Herausforderung

Das Kernproblem war nicht die Technologie selbst, sondern die Intransparenz: Niemand im Unternehmen hatte ein vollständiges Bild davon, wie Daten durch das System flossen. Daraus ergaben sich vier konkrete Schmerzpunkte:

  • Mitarbeitende griffen täglich in Prozesse ein, die eigentlich automatisiert laufen sollten. Der Grund: Systemabhängigkeiten waren schlicht undokumentiert.
  • Technische Schulden blockierten den Fortschritt. Über Jahre aufgebaute Workarounds machten jede Änderung riskant und zeitaufwändig.
  • Das Legacy-System war nie systematisch dokumentiert worden. Wissen existierte eben nur in den Köpfen einzelner Mitarbeitender.
  • IT und Fachbereich sprachen unterschiedliche Sprachen. Ein gemeinsames Modell der Systemlandschaft gab es nicht.

Bisherige Versuche, die Probleme intern zu lösen, scheiterten an der Komplexität der gewachsenen Strukturen. Im Tagesgeschäft fehlte dafür die Kapazität.

Vorgehensweise

Für das Projekt stellte Ekstend einen erfahrenen Senior Architect ab, der über drei Monate eng mit dem internen Entwicklungsteam und den Fachabteilungen von Media-Saturn zusammenarbeitete. Unterstützt wurde er durch einen Prozessanalysten, der die Brücke zwischen technischen Anforderungen und Geschäftsprozessen schlug.

Statt einem starren Framework zu folgen, wurde der Ansatz gezielt auf die Situation zugeschnitten: Zuerst musste ja Transparenz über die bestehende Systemlandschaft geschaffen werden, bevor fundierte Architekturentscheidungen möglich waren. Wöchentliche Abstimmungen mit IT-Leitung und Fachbereich stellten sicher, dass jede technische Entscheidung an konkreten Geschäftsanforderungen verankert blieb.

1

Bestandsaufnahme & Analyse

Vier Wochen systematische Erfassung: Interviews mit 12 Stakeholdern aus IT und Fachbereich, Mapping aller Datenflüsse, Identifikation von 23 technischen Schulden-Positionen. Ergebnis: Erstmals ein vollständiges Bild der tatsächlichen Systemlandschaft.

2

Architektur-Design

Bewertung von drei Architekturansätzen (Monolith-Refactoring, Strangler-Fig-Pattern, Greenfield-Microservices) anhand von Kriterien wie Migrationsrisiko, Time-to-Value und Teamkompetenz. Entscheidung für einen hybriden Ansatz: Microservices für neue Funktionen, schrittweise Ablösung des Monolithen.

3

Implementierung & Automatisierung

Umsetzung in zweiwöchigen Sprints mit gemeinsamen Reviews. Jeder automatisierte Prozess wurde zuerst parallel zum manuellen Prozess betrieben, bevor der manuelle Eingriff abgeschaltet wurde - so wurde das Risiko minimiert, ohne den Zeitplan zu gefährden.

4

Dokumentation & Wissenstransfer

Dokumentation des gesamten Legacy-Systems nach dem 4+1 Sichtenmodell (Logische Sicht, Entwicklungssicht, Prozesssicht, Physische Sicht + Szenarien). Drei Wissenstransfer-Workshops mit dem internen Team, damit Media-Saturn die Architektur eigenständig weiterentwickeln kann.

Lösung

Die neue Architektur basiert auf Microservices, wobei jede Technologieentscheidung direkt an ein Geschäftsergebnis geknüpft wurde:

  • Java mit Spring Boot als Backend-Framework, weil das interne Team bereits Java-Kompetenz hatte. So war der Wissenstransfer ohne Umschulung möglich.
  • Für die Datenhaltung ersetzt PostgreSQL die bisherige proprietäre Lösung und spart Lizenzkosten von mehreren zehntausend Euro jährlich.
  • React für die internen Verwaltungsoberflächen. Der Fachbereich kann Konfigurationsänderungen jetzt selbst vornehmen, statt auf die IT warten zu müssen.
  • Die API-Schicht läuft über GraphQL und reduziert die Datenbankabfragen pro Seitenaufruf um den Faktor 4, weil nur tatsächlich benötigte Daten geladen werden.
  • Apache Kafka entkoppelt die Services voneinander. Fällt ein Teilsystem aus, blockiert das nicht mehr die gesamte Datenverarbeitung.

Ergebnisse

Innerhalb von drei Monaten hat sich die operative Realität bei Media-Saturn grundlegend verändert. Standardprozesse in der Datenverarbeitung, die zuvor einen erheblichen Teil des Arbeitstages beanspruchten, laufen jetzt vollautomatisiert. Kein manuelles Eingreifen mehr. Die täglichen Ad-hoc-Eingriffe, die das Team zuvor gebunden hatten, sind komplett entfallen.

Mindestens ebenso wichtig: Das gesamte Legacy-System wurde erstmals systematisch nach dem 4+1 Sichtenmodell dokumentiert. Wissen, das vorher nur in den Köpfen einzelner Entwickler existierte, ist jetzt für das gesamte Team zugänglich. Architektonische Entscheidungen können erstmals datenbasiert getroffen werden, statt aus dem Bauchgefühl.

Die neue Microservices-Architektur erlaubt es, weitere Services unabhängig voneinander zu entwickeln und zu deployen, ohne das Gesamtsystem zu gefährden. Media-Saturn hat damit ein akutes Problem gelöst und gleichzeitig eine Basis geschaffen, auf der das System langfristig wachsen kann.

65%

Schnellere Bearbeitungszeit

0

Manuelle Eingriffe pro Tag

5

Architektursichten dokumentiert

12

Wochen bis zum Go-Live

Zum ersten Mal haben wir ein vollständiges Bild unserer Systemlandschaft - und zum ersten Mal sprechen IT und Fachbereich dieselbe Sprache, wenn es um Architekturentscheidungen geht.

Erkenntnisse

Die größten Effizienzgewinne kamen aus der Transparenz, nicht aus der Technologie. Erst als IT und Fachbereich zum ersten Mal dasselbe Bild der Systemlandschaft vor sich hatten, konnten sie gemeinsam priorisieren, welche Prozesse zuerst automatisiert werden sollten.

Überraschend war auch, wie viele manuelle Eingriffe gar nicht technisch bedingt waren. Die Abhängigkeiten zwischen Systemen hatte schlicht niemand sichtbar gemacht. Sobald der Datenfluss dokumentiert war, lösten sich einige Probleme fast von selbst.

Für vergleichbare Projekte empfehlen wir: Die Bestandsaufnahme-Phase nicht verkürzen. Sie fühlt sich halt langsam an, ist aber die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Wer hier spart, zahlt später doppelt.

Eingesetzte Technologien & Services

Java mit Spring BootPostgreSQLReactGraphQLApache KafkaMicroservices-Architektur

Ihr Ansprechpartner

Christian Baumheier

Christian Baumheier

Head of Business Development

Ekstend

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